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Mercedes

Mythos: Person, Sache, Begebenheit, die (aus meist verschwommenen, irrationalen Vorstellungen heraus) glorifiziert wird, legendären Charakter hat.

So definiert der Duden den griechischen Begriff, der im Laufe der vergangenen Jahre und Jahrzehnte eine inflationäre Entwicklung über sich ergehen lassen musste – und lächeln wir nicht etwas zynisch, wenn uns wieder einmal ein Mensch, ein Objekt, eine Idee als Mythos angedient wird?, eben so wie dieser beliebte Mercedes Gebrauchtwagen.

So ist der Mythos zu einem überstrapazierten und dehnbaren Begriff mutiert, der natürlich auch über das Automobil gestülpt wurde – von dem nie einer glaubte, das es einmal einer der begehrtesten Mercedes Gebrauchtwagen werden würde -, um eine stetig steigende Vielfalt an Modellen mit seiner wert steigernden Gegenwart zu adeln. Und dennoch verbirgt sich hinter dem Begriff Mythos auch eine Realität, der wir hin und wieder ins Auge schauen dürfen – und dies gilt natürlich ebenfalls für einige jener Fahrzeuge, die die Herren Daimler und Benz im Jahre 1886 in eine damals noch mehr als vage Freiheit entließen.

Und dass der W 198 dazu noch seine Aufgaben im normalen Verkehrsalltag mit höchster Präzision bewältigte, hob ihn endgültig aus der Reihe der damals durchaus existenten Rivalen heraus. Nie hätten es sich die Väter dieses Wagens verziehen, wenn ihr schönstes und schnellstes Kind zu kapriziös geraten wäre – diese, bei Frauen durchaus liebenswerte Eigenschaft überließ man beim Daimler gerne den etwas temperamentvolleren Kollegen jenseits – was die Alltagstauglichkeit betraf – keinen Unterschied zwischen einem 180 D- und einem 300 SL- Modell; da stand schon die schwäbische Ehre des Mercedes Tuning davor.

Es ist – um die Bedeutung dieser rollenden Legende wirklich zu verstehen – nötig, sich die Zeit zu vergegenwärtigen, in der dieser Wagen angedacht, entwickelt und gebaut wurde. Deshalb sollte man – um die Faszination des 300 SL und die Legendenbildung des besten Mercedes Tuning besser einordnen zu können – einen Blick in den Vorstandsbericht des Jahres 1945 werfen, der, kurz nachdem das Mercedes- Werk in Stuttgart- Untertürkheim am 20.April geschlossen worden war – die prekäre Lage deutlich machte:

Im Rahmen der weitgehend eingeschränkten Möglichkeiten wurde nun begonnen, die Belegschaften in die Fabriken zurück zuführen, alle Maßnahmen zu treffen, um die Trümmer zu beseitigen, die notdürftigsten Instandsetzungen durchzuführen und zunächst mit der Reparatur und Mercedes Tuning von Fahrzeugen zu beginnen. In der ersten Zeit sind zudem Plünderungen, später Requisitionen und dergleichen erfolgt, die empfindliche Einbußen gebracht haben.

Und als ob diese Situationsbeschreibung nicht gereicht hätte, genehmigten die Amerikaner – Stuttgart lag im amerikanischen Sektor des von den vier Siegermächten aufgeteilten Landes – der Marke mit dem Stern nur noch den Bau eines einzelnen Modells: des 170 V, heute auch ein beliebter Mercedes Gebrauchtwagen. Und dieses durfte auch nur als Pritschen-, Kasten- und Krankenwagen montiert werden – und das bei fehlenden oder zerstörten Fertigungsanlagen, einer nicht existenten Werkzeugindustrie, stetigen Stromausfällen und praktisch nicht verfügbaren Rohstoffen.

Man muss diese Situation kennen, um zu verstehen, warum die Besprechung, zu der Generaldirektor Wilhelm Haspeln im Dezember 1947 sein Direktorium gerufen hatte, so außergewöhnlich war – Haspeln erörterte mit seinen Kollgen nichts anderes als die Planung eines Sport- oder Repräsentationswagens, mit dem man wieder an den alten Ruhm der großen Kompressormodelle anknüpfen, und eben auch an das berühmte Mercedes Tuning, wollte.

Zwar waren sich alle Beteiligten darüber im Klaren, dass Deutschland wohl noch auf längere Zeit nur wenige Modelle abnehmen würde – aber andererseits gab es weltweit interessante Märkte wie die USA, Südamerika oder beispielsweise auch die Schweiz, in denen bereits eine Vielzahl von amerikanischen und europäischen Herstellern gute Geschäfte machten. Und außerdem würde ein derartiges Modell auch als Imageträger dienen und das alte Renommee des Mercedes Tuning in die Neuzeit transponieren.

Einer der Direktoren plädierte jedoch für den Bau einer großen Limousine und eines großen Sportwagens – Dr.- Ing Otto Hoppe berief sich dabei auf die großen Tradition der Vergangenheit, an die Mercedes- Benz anzuknüpfen habe. Michael Riedner und Günter Engelen hielten in ihrem Buch über den 300 SL den weiteren Fortgang dieses Projekts zu erkennen gab, der die Zeit für derartige Gedanken für noch viel zu früh hielt, stellte Wilhelm Haspel fest, dass Herr Wagner kein rechtes Herz für den großen Wagen habe. Er aber wollte eine Spitze haben, ein repräsentatives Fahrzeug, welches unserer Tradition entspricht. Ich verlange dabei keinen Sechssitzer, sondern ein viersitziges
Fahrzeug mit normalen Maßen. Ein großer Mercedes- Benz wird ohne weiteres neben einem Buick oder Cadillac verkauft werden können. Nur in den großen Klassen können wir das Geschäft machen durch Qualität und Innenausstattung, was die Mercedes Gebrauchtwagen eben auch heute noch so wertvoll macht.

Das Ergebnis dieser Überlegungen stand dann im April 1951 als Typ 300 erstmals auf einer Ausstellung, und vom November 1951 an stand der 300 dann auch bei den Händlern. Der W 186 I – so die interne Bezeichnung der großen Limousine – sollte bis zum März 1954 in nicht weniger als 4778 Exemplaren gebaut werden, bevor sie von dem 300 b – wer kennt ihn nicht, diesen besonders begehrten Mercedes Gebrauchtwagen - abgelöst wurde. Der neue „große“ Mercedes war zwar groß, schwer und massiv, aber er besaß den Hubraum, auf dem man aufbauen konnte, um mit der Konkurrenz mitzuhalten – diese ersten Gedanken definierte auch schon die Bezeichnung des noch zu entwickelnden Wagens: 300 sportlich, leicht – eben 300 SL.

Am 15. Juni 1951 gab es dann den Vorstandsbeschluss für den Bau eines Sportwagens, der als Sonderaufbau für die Typen W 187 (220) und W 188 (300 S) umschrieben wurde – und Ende Juni traf man sich dann in der Konstruktionsabteilung: Der Technik- Vorstand Rudolf Uhlenhaut teilte seinen Mitarbeitern Franz Roller, Ludwig Kraus und Manfred Lorscheidt mit, welche Eckdaten der neue Sportwagen mit Mercedes Tuning zu erreichen habe; dann trugen Hermann Lang, Karl Kling und Alfred Neubauer vor, was die Rennabteilung und die Fahrer von diesem Modell erwarteten, und die ersten Eckdaten wurden festgelegt.

Die Basis war Neubauer zu schwer, und hier stieß man schon auf die ersten Probleme, denn der als Basis gewählte 300er war vom Grundkonzept her eine solide Limousine, deren Reihensechszylinder bei einer Verdichtung von 6,4:1 und einem Hubraum von 2996 cm³ bei 4600/min ganze 115 PS leistete. Eine besondere Leistung des Mercedes Tuning. Und wie in diesen Zeiten nicht anders zu erwarten, hatte man beim Entwurf dieses Motors Stabilität und Einfachheit, das niedrige Geräuschniveau und die begrenzten Verschleißwerte eines Gussblocks dem geringen Gewicht von Aluminium vorgezogen – so wog der komplette Motor nicht weniger als 265 Kilogramm.

Bericht von J. Kostermann von wupdes.de

Mercedes GP

Der Silberpfeil ist der Beweis dafür, das mit Willen und Können auch in kurzer Zeit ein schlagfertiges Team und eine „Nummer“ im Rennsport aufzustellen. So schnell wie sie kamen, nahmen sie den Führenden die Position und schossen sich in die Geschichte des Rennsports. Der Mercedes GP.